SNOB - Norddeutsche Blitzmannschaftsmeisterschaft 2010

Norddeutsche Blitzmannschaftsmeisterschaft 2010 Drucken
Geschrieben von Stefan Knappe   
Wednesday, 10. March 2010
6. März 2010 - Die 27 besten norddeutschen Schachvereine traten an, um den Norddeutschen Meister und die heiß begehrten Plätze bei der deutschen Meisterschaft auszuspielen. Gewonnen haben die Schachfreunde Berlin ... Eigentlich eine jener Nachrichten, die je nach dem Grad unserer Schachverrückheit mehr oder weniger unbemerkt an uns Monat für Monat vorüber ziehen. Ganz nett, aber auch Schach vom anderen Stern, jede Menge Profis, Halbprofis, Legionäre, richtig gute Schachspieler, ...

Aber halt, war da nicht noch was? Ja richtig - die Schachfreunde Nordost Berlin hatten sich erstmalig in ihrer Vereinsgeschichte für diesen überregionalen Wettkampf qualifiziert und haben daran teilgenommen! Nachdem wir zuletzt beim deutschen Mannschaftspokal von uns überregional hören ließen, ist es uns dieses Jahr beim Blitz geglückt.

So eine Chance wollten wir natürlich nicht leichtfertig vergehen lassen und hatten alles, was Rang und Namen hat, aufgeboten, um uns so teuer wie möglich zu verkaufen. Unser Verein wurde unter anderem durch die üblichen Blitzrecken Klaus, Gregor und Wolfgang Süß vertreten. Jeffrey, der es ebenfalls verdient gehabt hätte teilzunehmen, musste durch Jens Uwe ersetzt werden. Als Ersatzmann machte sich der Autor dieser Zeilen mit auf den Weg. Verstärkt - sowohl aus organisatorischer als auch aus moralischer Sicht - wurden wir durch unseren Vereinsvorsitzenden Wolfgang Hartmann. Doch damit nicht genug, wir hatten auch noch einen Trainer - einen wahren Schinder und Einpeitscher - einfliegen lassen, um auch noch den letzten DWZ-Punkt aus uns heraus zu kitzeln - unser ehemaliges Vereinsmitglied Stephan Brandes!

Nach der Ankunft in unserem Bremer Hotel und dem gemeinschaftlichen Abendessen sprachen wir noch kurz unsere Strategie für den nächsten Tag durch und gingen früh zu Bett, um beim Turnier frisch ausgeruht unsere beste Leistung abrufen zu können - so sah jedenfalls der Plan aus. Aber wie bei jedem guten Plan üblich, muss man sich natürlich Freiräume für Unvorhergesehenes lassen. Unser "Freiraum" war ein Nebenraum in einem Bremer Restaurant. Die Tische wurden schnell umdekoriert und umgestellt, ein erstes kurzes Blitztunier - es sorgte für großes Interesse bei den übrigen Gästen - musste veranstaltet werden, um dem Trainer eine Bestandsaufnahme, des ihm zur Verfügung stehenden Spielerkaders zu ermöglichen. Dass dieses Turnier kein Zuckerschlecken wird und unser Trainer hier nicht nur graue Theorie vermittelte, ließ er in der Auftaktrunde auch gleich Klaus spüren und verpasste ihm eine 2-0 Niederlage. Auch in den folgenden Runden ließ er nicht viel anbrennen und gewann unser kleines Warm up.

Die folgende Standpauke ließ erahnen, dass wir von Glück reden konnten, dass Stephan keine weiteren Auswechselspieler zur Hand hatte! Uns, den anwesenden Schachamateuren, fiel es natürlich ziemlich schwer so viel Schachwissen in komprimierter Form zu verarbeiten. Ich versuche, Euch einen kleinen Auszug wieder zu geben: "Ihr müsst schneller spielen, spielt gemeiner, fieser und vor allem schneller. Nicht denken, ihr müsst spielen!"
So viel Training macht natürlich auch etwas durstig und so ließen wir den Abend bei einem gemütlichen Bier ausklingen. Da mit jedem Bier die Zuversicht wuch, das Gelernte am nächsten Tag erfolgreich umsetzen zu können, verordnete uns unser Trainer noch ein paar weitere Runden Zuversicht, welche wir verinnerlichten.

Vom Hörensagen weiß ich, dass Teile unserer Mannschaft auch noch am nächsten Morgen so voller Zuversicht waren, dass sie kaum aus dem Bett kamen - nein, Namen werden hier nicht genannt! Wie auch immer, es war gut, dass das Turnier erst Sonntag um 11.00 Uhr anfing.
Gleich in der erste Runde gegen VBSF Cottbus, welche am Ende auf einem guten 10. Platz ankamen, wurden wir auf den Boden der Realität geholt. Die Runde ging mit 3,5-0,5 verloren. Die Jungs hatten wahrscheinlich auch einen Trainer?! Jedenfalls spielten sie ziemlich schnell, gemein und fies. Und wer zu diesem Zeitpunkt noch an einen Ausrutscher oder Lospech glaubte, wurde in den folgenden 5 Runden eines besseren belehrt. Unsere Bilanz nach 6 Spielen: Stefan 0/5; Jens Uwe 0/4; Gregor 1/5; Wolfgang respektable 2/5. Lediglich Klaus hatte einen wirklich guten Start erwischt und legte mit 5,5/7 los wie eine Lokomotive.

Mit der 7. Runde, in der wir unseren ersten Sieg zustande brachten, wendete sich das Blatt langsam. Klaus, der neben Wolfgang als Einziger anfänglich die Fahnen hochhielt, schwächelte leider ab der 13. Runde und produzierte sechs nullen in Folge - vermutlich in seiner langjährigen Schachkarriere ein einmaliges Ereignis?! Das Turnier konnte er am Ende aber dennoch mit einem guten Ergebnis von 10/21 beenden. Jens Uwe erstarkte ab der 9. Runde und hatte unter anderem mit 4/5 auch eine beachtliche Serie vorzuweisen. Die Tipps unseres Trainers vom Vorabend setzte er tapfer um und kämpfte selbst unter hochgradiger Zeitnot wie ein Mann - es war keine Spur von Angst zu erkennen. Am Ende hatte er mit 8,5/21 Punkten ein respektables Ergebnis vorzuweisen. Wolfgang, der ebenfalls mit einer sehr starken Serie von 4/7 in das Turnier startete, konnte das hohe Anfangstempo leider nicht bis zum Schluss durchhalten. Am Ende standen auf seinem Konto 6/19 Punkte. Angesichts der starken Gegnerschaft eine solide Leistung.
Meine Leistung entsprach in etwa dem genauen Spiegelbild von Wolfgang. Ich startete schlecht ins Turnier, konnte mich dann aber in der zweiten Hälfte steigern und bot mit 6,5/20 auch ebenfalls eine solide Leistung.
Last but not least - noch ein zwei Worte über unser Spitzenbrett Gregor. Ebenfalls mit ein paar Schwierigkeiten gestartet, fing er sich ab Runde sechs und spielte so, wie wir es uns von unserem ersten Brett wünschten - keine Angst vor großen Namen, stets auf Augenhöhe mit seinen nominell teilweise deutlich überlegenen Gegnern. Besonders seinen sauber herausgespielten Sieg gegen das erste Brett der Schachfreunde Berlin (Lars Thiede), die das Turnier verdient gewannen, möchte ich hier exemplarisch erwähnen. Angesichts seines Endergebnisses von 10,5/23 würde man sich gerne wünschen, dass wir noch mehr erste Bretter hätten.

Nach 26 hart umkämpften Runden hatten wir 12:40 Mannschaftpunkte und 41 Brettpunkte erzielt. Mit dem Ziel gestart, nicht Letzter zu werden, haben wir am Ende Platz 23 von 27 Teilnehmern erreicht.

Tja, was muss jetzt wohl noch gesagt werden? Ich denke, das folgende wäre auch im Sinne unseres Trainers: "Lasst uns nächstes Jahr einfach schneller, gemeiner und fieser spielen!"
Letzte Aktualisierung ( Wednesday, 10. March 2010 )
 
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